Marktstudie Anwaltssoftware 2007
Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck (Social
Science Method Group, Leitung Herr Prof. Dr. Christan Traweger) hat im Auftrag
von ADVOKAT eine Marktforschungsstudie über die EDV-Ausstattung der
österreichischen Rechtsanwaltskanzleien erstellt. Der Focus lag einerseits auf
der Struktur der österreichischen Rechtsanwaltskanzleien und andererseits auf
der Verwendung von EDV-Kanzleisoftware. Dies vor allem in Hinblick auf den
verpflichtenden Einsatz des WebERV. Die interessantesten Ergebnisse werden
auszugsweise veröffentlicht.
Methodik und Stichprobenplanung
Die Eckdaten der Marktstudie:
Grundgesamtheit: alle
Rechtsanwaltskanzleien Österreichs, N = 2985
Responserate: 2035 Kanzleien gaben Auskunft
Methode: telefonische
Befragung
Befragungszeitraum: April/Mai 2007
Stichprobenfehler: max. +/-1,02%
In Österreich gibt es 5155 eingetragene Rechtsanwälte (Quelle:
Anwaltsverzeichnis auf www.oerak.at per
15.6.2007). Davon sind 2940 Rechtsanwälte als Einzelanwälte und 2215
Rechtsanwälte in 871 Kanzleigemeinschaften tätig.
Für die vorliegende Erhebung wurde jemand als
Rechtsanwalt gezählt, der bei den Rechtsanwaltskammern in der Liste der
Rechtsanwälte eingetragen ist. Als je eine Kanzlei
wurde eine organisatorische Einheit definiert, die sich entweder
gegenüber den Anwalts-kammern als Kanzlei deklariert oder die Bedingung "gleiche
Anschrift und Telefonnum-mer" erfüllt. Viele Rechtsanwälte deklarieren sich
nicht offiziell als Kanzleigemeinschaft (Gesellschaft m.b.H.,
Erwerbsgesellschaft, etc.), sondern sind als "Regiegemeinschaft" organisiert.
Sie verwenden dasselbe Büro, Sekretariat und treten mit derselben Telefon-nummer
nach außen auf, aber offiziell sind sie als Einzelanwalt tätig. Allerdings ist
es sehr wahrscheinlich, dass Regiegemeinschaften intern eine EDV-Infrastruktur
verwenden. Regiegemeinschaften wurden daher in der vorliegenden Erhebung nur
einmal befragt. Eine Gemeinschaft mit mehreren Kanzleisitzen wurde dagegen als
mehrere Kanzleien gerechnet.
Nach dieser Definition gibt es 2985 Anwaltskanzleien. Alle wurden telefonisch
befragt. 2035 Kanzleien gaben Auskunft, 950 Kanzleien verweigerten diese.
Die Telefoninterviews wurden von Interviewern des Institut für Marktforschung
und Da-tenanalysen (IMAD-Marktforschung, Innsbruck) durchgeführt. Die Auswertung
hat das Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck (Social
Science Method Group, Leitung Herr Prof. Dr. Christan Traweger) vorgenommen. Die
Ergebnisse weisen einen statistischen Stichprobenfehler von max. +/-1,02%
auf.
Demographische Struktur
Die Kanzleigröße und das Verhältnis von Anwälte/Kanzleien ergeben folgende
Tabelle:

Insgesamt betrachtet sind knapp die Hälfte aller österreichischen Kanzleien
Einzelkanzleien. Im Durchschnitt arbeiten 2,19 (Median 2) Rechtsanwälte in den
einzelnen Kanzleien.

Die 2985 befragten Kanzleien verteilen sich wie folgt auf die
Bundesländer:

Innerhalb der einzelnen Bundesländer ergibt sich folgende Verteilung nach
Kanzleigröße. Die Kanzleigröße liegt in Wien, Burgenland und Tirol über dem
Bundesdurchschnitt.

Softwareverwendung (Anwaltspakete)
Knapp 79% der österreichischen Kanzleien geben an, in Ihrer
Kanzlei spezialisierte Anwaltssoftware einzusetzen.

Gewichtet man dieses Ergebnis nach der Anzahl der RA pro
Kanzlei, so erhöht sich der Anteil auf rund 86%.

Aus der folgenden Grafik ist ersichtlich, dass Wien (72,9%) in
Bezug auf den Einsatz von Anwaltssoftware etwas hinter dem Bundesdurchschnitt
(78,9%) liegt.

Marktanteile bei Anwaltssoftware
Bezogen auf alle österreichischen Kanzleien, welche
grundsätzlich eines der angebotenen Anwaltspakete benutzen, erreicht Advokat
einen Marktanteil von 51,4%. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% liegt
der wahrscheinlichste Marktanteil – bei Heranziehung der Kanzleien als
Berechnungsbasis - zwischen 50,1% und 52,6%.
An zweiter Stelle liegt - bereits mit deutlichem Abstand - mit
knapp 16% (bezogen auf die Verwendung eines Anwaltspakets) R/Win. Rund 10%
Marktanteil besitzen Jurxpert und Paragraph, gefolgt von Wincaus mit 8%. Alle
anderen angebotenen Anwaltssoftwareprodukte spielen bezogen auf ihre
Marktanteile nur eine untergeordnete Rolle.

Marktanteile nach Verwendung einer EDV-Leistungserfassung
Abgefragt wurde auch die Verwendung der
Anwaltssoftware zur Leistungserfassung. Die Leistungserfassung ist ein Indiz für
die Intensität der Verwendung und soll den verpflichtenden Einsatz für den
Elektronischen Rechtsverkehr herausfiltern. Von jenen Befragten, welche
angeben eine Anwaltssoftware zu verwenden, geben knapp 82% an, diese
auch zur Leistungserfassung zu nutzen. Allerdings ist diese Verwendung bei
den unterschiedlichen Paketen unterschiedlich stark ausgeprägt: Nutzer von ADVOKAT
etwa verwenden zu etwa 90 % auch die
Leistungserfassung. Ähnlich ist das auch bei Jurxpert, Paragraph und Wincaus.
Bei anderen Anwaltspaketen ist das weniger stark der Fall
(R/Win 63%, Medix ERV 16%).
Wenn man nur die Kanzleien heranzieht, die angeben ein
Anwaltspaket auch zur Leistungserfassung zu verwenden, ergibt sich folgende
Marktverteilung:

Der Marktanteil von Advokat steigt von 51,4% auf beinahe 56%,
weil dieses Paket überdurchschnittlich zur Leistungserfassung verwendet wird.
Der Marktanteil von R/Win sinkt dagegen von etwa 16% auf 12%.
Rechtsinformationsdatenbanken
Gefragt wurde schließlich nach der Verwendung von
Rechtsinformationsdiensten. Nahezu 90% der Befragten nennen als eingesetzte
Quelle juristischer Informationen Zeitschriften und Bücher. Rund 70% verwenden
RIS und 41% RDB.
